Die jungliberale Jobbörse | jung + liberal

Dieser Beitrag enstand in Zusammenarbeit mit jung + liberal.

Unsere JuLis heuern viel zu oft als bezahlte Mitarbeiter bei der FDP an. Das ist ein Problem.

Lust auf einen Job in der FDP-Bundestagsfraktion? So lautet das Anforderungsprofil: Du studierst Politikwissenschaften, Volkswirtschaftslehre oder Jura mit mäßigem Erfolg? Du hast noch nie ein Praktikum außerhalb der liberalen Familie gemacht und Du warst auch noch nie für längere Zeit im Ausland? Du bist ein großer Fan von unserem FDP-Spitzenpersonal und bejubelst uns regelmäßig auf Facebook? Bei den JuLis spielst Du eine wichtige Rolle und möchtest Dir jetzt Deinen Ausstieg vergolden?

Dann bist Du genau der richtige Kandidat für ein Pöstchen in der FDP-Bundestagsfraktion! Wir freuen uns auf Deine Bewerbung.

Du glaubst, das ist eine Parodie? Schön wär’s! Denn wer sich durch die Mitarbeiterteams unserer FDP-Bundestagsfraktion (oder auch der Landtagsfraktionen) klickt, merkt sofort: Die JuLis haben die Partei gekapert und zwar als bezahlte Mitarbeiter. Das gefährdet unsere Unabhängigkeit.

Deutlich mehr als die Hälfte der ehemaligen Bundesvorstandsmitglieder der letzten Jahre haben nach ihrem Ausscheiden in Abgeordnetenbüros angefangen. Auch die Liste der Ex-Landesvorsitzenden, die nun im Dienste der Partei stehen, ist lang. Die Mitarbeiterlisten von Bundestags- und Landtagsfraktionen lesen sich wie das Who-is-Who der JuLis.

Unsere JuLi-Funktionäre und Ehemaligen leben von der FDP. Ist das in Ordnung?

Klar: Wer für Politik lebt, will auch in der Politik arbeiten. Niemand verlangt, dass unsere JuLi-Funktionäre nach ihrer Laufbahn in unserem Verband plötzlich ihr politisches Interesse abschalten. Nicht jeder muss den Sprung in die Selbstständigkeit wagen, Legosteine verkaufen oder Pressesprecher bei VW werden. Engagement bei den JuLis darf grundsätzlich nicht einschränken. Deine Berufswahl ist Deine Entscheidung!

Aber: Wie unabhängig ist eine politische Jugendorganisation, deren Führungskräfte und Ehemaligen finanziell so eng mit der FDP verquickt sind? Wie laut schreit ein JuLi-Pressesprecher, der in zwei
Monaten bei der FDP unterkommen will? Wie kritisch hinterfragt ein JuLi-Schatzmeister, der seinen Gehaltsscheck jeden Monat bei der FDP einlöst? Wie bahnbrechend sind die Beschlüsse eines JuLi-
Bundeskongresses, bei dem die Hauptredner im Deutschen Bundestag arbeiten?

Wir reden uns ein, wir seien der Motor der FDP. Wir erzählen einander, wir seien der Stachel im Fleisch unserer Mutterpartei. Wir behaupten, unser Verhältnis zur FDP sei „kritisch-konstruktiv“. Jedes Neumitglied lernt, die JuLis seien finanziell und organisatorisch vollkommen unabhängig. Aber
stimmt das überhaupt?

So würden unsere Wunsch-JuLis aussehen: Wir sind laut und zeigen Kante. Wir sind ein Politiklabor, das Chaos verbreitet. Wir experimentieren mit neuen Ideen und Verfahren. Mit unseren Statements treiben wir die FDP in den Wahnsinn. Wir preschen vor – und zwar gerade dann, wenn es mit dem Regieren in Berlin nur bescheiden läuft. Unsere Kritik ist direkt und spart weder JuLi-Mandatsträger noch ehemalige JuLi-Funktionäre aus.

Das geht aber nicht, wenn unsere Führungskräfte bei FDP in Lohn und Brot stehen. Das geht auch nicht, wenn sie direkt nach ihrem Ausscheiden aus einem Posten in unserem Verband einen FDP-Job ergattern. Denn niemand beißt die Hand, die ihn füttert oder bald füttern soll. Eine unabhängige
Jugendorganisation ist eine Jugendorganisation, in der die Mitglieder nicht von der Mutterpartei bezahlt werden.

Sind wir mittlerweile scheinheilig? Mit erhobenem Finger zeigen wir gerne auf Jusos, Junge Union und die Grüne Jugend. Dort seien Jugendverband und Partei kaum voneinander zu unterscheiden. Aber ist das bei uns wirklich so anders? Führen wir den aktuellen Kurs noch einige Jahre so fort, können wir uns – genau wie die Jusos – bald als Arbeitsgemeinschaft bei unserer Mutterpartei eingliedern.

Was muss sich also ändern? Wir schlagen vor: Wer in unseren Landes- oderBundesvorständen arbeitet, darf seinen Gehaltsscheck nicht mehr bei der FDP einlösen. Die bezahlte Arbeit bei der FDP muss in dieser Zeit ruhen.

Außerdem brauchen wir eine Sperrzeit für Funktionsträger: Wer in einen unserer Landesvorstände oder den Bundesvorstand gewählt wird, verpflichtet sich, dass er in den ersten zwölf Monaten nach seinem Ausscheiden keinen Job bei der FDP und ihren Abgeordneten antritt. Wir dürfen nicht den Anschein erwecken, dass JuLi-Karrieren auch Berufsinteressen verfolgen.

Diese Vorschläge sind radikal. Falls umgesetzt, werden sie das Gesicht unserer Organisation grundlegend verändern. Sie würden zu einem Verband führen, der beißt und brüllt und der FDP jede Woche erneut ans Bein tritt. Die Ära des Abnickens nähme ein Ende. Wir wären dann eine Organisation,
in der unsere Mitglieder auch Berufslaufbahnen außerhalb der FDP planen. Ein Verband, der zum Vorbild für die FDP wird. Ein Verband, der unabhängig ist und die FDP fördert und treibt. Wir wären dann wirklich die interessanteste politische Jugendorganisation Deutschlands.

Julian Kirchherr (23) leitet das Mitgliedermagazin der European Liberal Youth (LYMEC).

Fritz Ohnesorge (33) war stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Liberalen Berlin.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: