Der Bewerbungsflüsterer | SPIESSER.de

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit „Deutschland bewirbt sich“.

Julian ist 22 Jahre alt und Deutschlands jüngster Karriere-Berater. SPIESSER erklärt er, wieso er Altersgenossen bei den Bewerbungsunterlagen hilft und welches Bewerbungsgespräch er total vermasselt hat.

Wie bist du auf die Idee gekommen Altersgenossen bei ihrer Karriere zu helfen?

Im Herbst habe ich ein Master-Studium an der London School of Economics aufgenommen. Ein Jahr schlägt mit 19.260 britischen Pfund (22.528 Euro) zu Buche. Das Geld muss ich jetzt irgendwie eintreiben. Und meine Stipendien bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und beim Deutschen Akademischen Austauschdienst decken leider nicht alle Kosten.

Wie sollte die Schulzeit genutzt werden, um uns auf Bewerbungen vorzubereiten?

Klingt hart, ist aber so: Während der Schulzeit werden schon entscheidende Weichen für das spätere Berufsleben gestellt. Und wer sich nicht reinhängt, kann sich schon in jungen Jahren viel verbauen. Leider kommunizieren das viele Lehrer nicht klar genug. Denn sie sind meistens von der Universität direkt zurück an die Schule gewechselt und haben z. B. nie die knallharten Auswahlverfahren von Unternehmen durchlaufen. Schüler profitieren enorm, wenn Personal- oder Karriereberater in die Schulen kommen und über Anforderungen an Absolventen aus erster Hand berichten.


Die Bewerbungsexperten DURABLE und PAGNA initiierten die bundesweite Aktion „Deutschland bewirbt sich“. Die Website www.bewerbertage.com informiert euch ausführlich über Fragestellungen zu Bewerbung, Stellenanzeigen, Bewerbungsmappe, Anschreiben, Ausbildung und Vorstellungsgespräch.
Wie finde ich meinen Traumjob?

Ob ihr in eurem Job glücklich werdet, hängt von zwei Faktoren ab: Euren Fähigkeiten und euren Interessen. Um ein besseres Bild von euren Fähigkeiten zu bekommen, können wissenschaftliche Eignungstests wie Borakel einen guten ersten Eindruck vermitteln. Aber eure Entscheidungen können sie euch nicht abnehmen. Da hilft nur viel auszuprobieren. …mehr

Was sind die häufigsten Fehler bei der Jobsuche?

Der größte Fehler vieler unserer Kunden: Sie haben sich zwar ein Ziel gesetzt, aber sich keine Gedanken über den Weg dorthin gemacht. Einer unserer Klienten hatte sich zum Beispiel in den Kopf gesetzt, dass er ein Stipendium bekommen wollte. Ein guter Start, aber er kannte nicht einmal die Studienstiftung des Deutschen Volkes, das größte, älteste und renommierteste deutsche Begabtenförderungswerk.

Klar ist: Für ein Stipendium, einen Studiengang oder ein Praktikum kann ich mich nur bewerben, wenn ich einen echten Überblick zu allen Möglichkeiten habe. Gründliche Recherche ist zentral. Internet, Freunde, Familie oder auch eine gute Karriereberatung sind Ressourcen, die unbedingt genutzt werden sollten.

Wie wichtig sind Praktika für den Traumjob?

Praktika sind überlebenswichtig. Jedes Unternehmen erwartet heute, dass ein Absolvent sich vor seinem ersten Job auch in der Arbeitswelt und außerhalb des Hörsaals behaupten konnte. Eine Faustregel ist, dass gute Praktika bei Studiengängen ohne konkretes Berufsbild oder mit vielen Absolventen ein wichtiger Differenzierungsfaktor sind. Aber auch den auf dem Arbeitsmarkt ohnehin begehrten Naturwissenschaftlern schadet ein Ausflug in die Praxis nicht. Außerdem: Praktika sind eine großartige Chance, sich unverbindlich auszuprobieren, unterschiedliche Branchen kennenzulernen und die eigenen Interessen und Fähigkeiten kritisch zu hinterfragen.

Was schreib ich alles in meinen Lebenslauf?

Ein guter Lebenslauf ist genau auf die Stelle zugeschnitten, auf die ihr euch bewerbt und nie länger als zwei Seiten. Zu jeder Station in eurem Lebenslauf solltet ihr kurz schreiben, was ihr dort gemacht habt, was eure größten Erfolge waren und wie eure Erfahrungen dort bei eurer Arbeit im angepeilten Job helfen würden. Eure Grundschulzeit gehört wohl eher nicht dazu: Lieber weglassen. Maßgeschneidert und auf den Punkt ist das, was jeder Arbeitgeber von euch erwartet. …mehr

Wie muss eine Bewerbungsmappe aussehen?

Die Bewerbungsmappe ist die erste Arbeitsprobe, die ihr eurem potentiellen neuen Boss liefert. Deshalb ist Vorsicht geboten. Keine Kaffeeflecken, keine Eselsohren und nicht zu flippig. Das kann schnell ins Auge gehen. Dezente Farbtöne kommen meistens besser an. Rein in die Mappe müssen das Anschreiben, der Lebenslauf und die Kopien der wichtigsten Abschluss- und Arbeitszeugnisse. Auf ein Deckblatt kann im Regelfall verzichtet werden. …mehr

Was muss ich alles beim Bewerbungsgespräch beachten?

Die meisten Pluspunkte könnt ihr beim Bewerbungsgespräch sammeln, wenn ihr zeigt, dass ihr euch wirklich mit dem Unternehmen und der Stelle auseinander gesetzt habt. Erklärt ganz genau, was euch an dem Job fasziniert und was ihr dort lernen wollt und einbringen könnt. Nur das zeigt, dass ihr motiviert seid und für die Aufgabe brennt.

Mein bestes Beispiel zu einem echt gelungenen Bewerbungsgespräch: Als ich bei der UNO vorgesprochen habe, musste ich mich in der letzten Runde gegen einen Doktoranden aus Oxford durchsetzen. Ich dachte, ich hätte keine Chance. Aber am Ende habe ich das Praktikum bekommen und nicht der Doktorand. Warum? Meine Chefin meinte, bei mir habe sie das Gefühl gehabt, dass ich wirklich motiviert sei und mich genau über die ausgeschriebene Stelle informiert habe. Das fand sie überzeugend. …mehr

Was willst du mal werden?

Ich habe nicht einen konkreten Job vor Augen, sondern eine Reihe von Jobmerkmalen: Meine Arbeit soll abwechslungsreich, international und fordernd sein und mir große Handlungsspielräume bieten um eigene Ideen umzusetzen. Diese Merkmale sehe ich zum Beispiel in Unternehmensberatungen, internationalen Organisationen, aber auch in der Wissenschaft erfüllt.

Wie sieht dein Fahrplan zum Traumjob aus?

Nach meinem Master-Studium würde ich gerne zwei Jahre als Unternehmensberater arbeiten und anschließend promovieren. Was ich dann machen werde, verrate ich jetzt noch nicht.

Was war dein größter Fehler bei einer Bewerbung?

Mein größter Style-Reinfall: Bei einem Recruiting-Workshop einer großen Unternehmensberatung war als Dresscode ‚smart casual‘ (gepflegte Freizeitkleidung) sowie ‚Businesskleidung‘ ausgegeben. Zur Einführung tauchte ich in gepflegter Freizeitkleidung auf, alle anderen Teilnehmer in Anzügen. War etwas peinlich. Immerhin hatte sich die Human-Resource-Abteilung deshalb sofort meinen Namen gemerkt.

 Julian berät bei der Karriereberatung Courageous Concepts Studenten. Dieser Artikel ist beim SPIESSER erschienen.

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