Streitgespräch zu Afghanistan: Truppenabzug zu früh?

Für das Jugendportal des Deutschen Bundestages (mitmischen.de) habe ich einen kleinen Kommentar zum Einsatz deutscher Truppen in Afghanistan verfasst:

Der Anfang vom Ende? Bis 2014 sollen die internationalen Truppen aus Afghanistan abziehen. Doch wird das Land dann in der Lage sein, selbst für Frieden zu sorgen oder droht ein Bürgerkrieg? Julian, 22, hält den geplanten Rückzug für verfrüht. Anna, 17, glaubt, Afghanistan kann es dann alleine schaffen – mit Unterstützung aus dem Ausland, aber ohne Kampftruppen. Wie steht ihr dazu? Stimmt ab!

Julian: Fahrlässig!

Diesen Sommer habe ich ein Praktikum in der Zentrale der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Eschborn gemacht. Die GIZ ist die Durchführungsorganisation der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und arbeitet auch an Projekten in Afghanistan. Eines Morgens lasen wir Praktikanten im Intranet, dass einer unserer Mitarbeiter in Kabul umgekommen war – erschossen bei einem Spaziergang. Zwei Wochen später kam ein weiterer Mitarbeiter aus Kabul unvermittelt zurück in unsere Zentrale. Nur saß er jetzt im Rollstuhl.

Fast 3.000 Soldaten und Entwicklungshelfer westlicher Staaten sind seit 2001 in Afghanistan umgekommen. Erst vor Kurzem musste der afghanische Präsident Hamid Karsai eine Reise nach Europa abbrechen, weil Selbstmordattentäter in Kabul und Mazar-e Sharif über 60 Menschen in den Tod gerissen hatten.  Afghanistan ist ein Land im Krieg und Chaos und nichts deutet daraufhin, dass 2014 alles besser sein wird. Ich finde: Ein solcher Abzug wäre grob fahrlässig.

Klar, westliche Truppen sollten nur so lange wie nötig in Afghanistan sein. Aber niemand kann heute prognostizieren, wann das Land wirklich auf eigenen Beinen stehen kann. Noch ist kein klarer Trend Richtung mehr Stabilität und Demokratie erkennbar. Alle kleinen Erfolge, die in den letzten zehn Jahren erzielt worden sind, könnten innerhalb weniger Monate vernichtet werden. Unsere Arbeit dort ist noch nicht erledigt.

Die Terroristen, die die Anschläge vom 11. September 2001 verübt haben, sind in Afghanistan ausgebildet worden.  Das heißt: Wir brauchen Demokratie, Wohlstand und Stabilität in Afghanistan, um Demokratie, Wohlstand und Stabilität in der Welt und in Deutschland zu sichern. Nur in einem demokratischen, wachsenden und stabilen Afghanistan wird es keine Terror-Camps mehr geben.

Ein solches Land zu schaffen kostet Zeit. Deshalb müssen wir uns eingestehen: Afghanistan ist ein Langzeit-Projekt. Es kann heute kein Tag für den Abzug der Truppen festgelegt werden. Wir Deutschen sind in der Welt zu Hause und tragen Verantwortung – und  zwar auch in und für Afghanistan.

Den gesamten Artikel findest Du hier.

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