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Von: Julian Kirchherr

Dr. Volker Hauff ist Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Mit Schekker spricht er über verantwortungsvolle Politik, Ampelfarben und warum er nur noch selten Fleisch isst.

Schekker: Herr Hauff, das Schlagwort „Nachhaltigkeit“ darf in keiner Politikerrede mehr fehlen. Aber was bedeutet der Begriff überhaupt?

Dr. Volker Hauff: Ganz einfach: Nachhaltigkeit meint, dass wir ein Gleichgewicht halten müssen zwischen den Ansprüchen der heutigen und kommenden Generationen. Wir müssen die Umwelt schonen und gleichzeitig die Lebensqualität und den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft voran bringen.

Eine große Aufgabe. Und was macht jetzt der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE), damit dieses Ziel gefördert wird?

Wir beraten seit mittlerweile neun Jahren die Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitspolitik. Wir unterbreiten Vorschläge, wie die Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie besser erreicht werden können, und zeigen, wo Handlungsbedarf ist. Außerdem fördern wir den gesellschaftlichen Dialog zur Nachhaltigkeit.

Was genau ist die Nachhaltigkeitsstrategie?

Die Bundesregierung hat im April 2002 die Nachhaltigkeitsstrategie „Perspektiven für Deutschland“ verabschiedet. Darin sind ganz verschiedene Themen – von „Klimaschutz“ bis „Verkehr“ – festgelegt, in denen Deutschland Fortschritte machen will. Ob die Ziele erreicht werden, überprüft der RNE zum Beispiel über den „Ampelbericht“. Da vergeben wir Ampelfarben für die Fortschritte in jedem Zielbereich. Die Bundesregierung selbst entwickelt die Nachhaltigkeitsstrategie auch immer weiter. Etwa beim „Fortschrittsbericht 2012“, der nun in den Anfängen steckt.

Lust auf Nachhaltigkeit

blonder Herr mit Anzug
Dr. Volker Hauff achtet darauf, wie er
sich fortbewegt.
Foto: Rat für nachhaltige Entwicklung
 

Wo bekommt Deutschland denn von Ihnen eine grüne Ampel?

Bei den Erneuerbaren Energien sind wir stark. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz gilt als vorbildlich und ist mittlerweile in vierzig Ländern in ähnlicher Form verabschiedet worden.

Wo läuft es weniger gut?

Bei der Energieeffizienz schneidet Deutschland noch viel zu schlecht ab. Auch bei der Innovationsfähigkeit ist noch viel Luft nach oben.

Wie sieht so ein Projekt konkret aus, mit dem Sie den Dialog zur Nachhaltigkeit fördern wollen?

Wir haben zum Beispiel vor zwei Jahren die hundert jüngsten Kommunalpolitiker Deutschlands für drei Tage nach Berlin eingeladen. Dort haben wir darüber diskutiert, wie man die langfristigen Kosten eines Beschlusses für Gesellschaft und Umwelt in sein politisches Handeln einbezieht. Am Ende der Tagung stand eine Reihe von Empfehlungen, die wiederum in viele Stadt- und Gemeinderäte getragen worden sind.

Modebegriff „Nachhaltigkeit“


Was ist Ihr bisher erfolgreichstes Projekt?

Dass überhaupt so viel über „Nachhaltigkeit“ geredet wird. Ich glaube, da hat unser Rat einen großen Anteil dran. Klar: Für manche ist „Nachhaltigkeit“ schon zum Modebegriff geworden, aber das Thema ist so wichtig, dass das nicht weiter schlimm ist.

Wie sind Sie eigentlich Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung geworden?

Ich habe in den 80er-Jahren am Brundtland-Report der Vereinten Nationen mitgearbeitet. Dieser Report war Grundlage für die UN-Umweltkonferenz 1992 in Rio de Janeiro und hat das Thema „Nachhaltigkeit“ erst auf die internationale Tagesordnung gesetzt. Ich glaube, diese Erfahrung war entscheidend, dass ich später in den RNE berufen worden bin.
 

Europa ist nicht beispielhaft für die Welt


Wer sitzt neben Ihnen noch im RNE?

Momentan hat der RNE dreizehn Mitglieder. Das sind Politiker, Vertreter der Wirtschaft und Wissenschaft oder auch aktive Menschen der Zivilgesellschaft. Wir achten auf eine gute Mischung, weil uns möglichst viele Perspektiven wichtig sind.

Das klingt aber immer noch nach einem sehr exklusiven Gremium. Wie kann ich meine eigenen Ideen in den Rat für Nachhaltige Entwicklung einbringen?

Da gibt es viele Möglichkeiten: Sie können uns zum Beispiel einfach eine E-Mail schicken. Oder registrieren Sie sich auf www.mitreden-u.de. Dort kann sich jeder noch bis Mitte März am Umweltdialog zur Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie beteiligen. Jeder Vorschlag, den Sie dort unterbreiten, fließt in die Diskussionen im Bundesumweltministerium ein. Einige Teilnehmer der Online-Diskussion werden sogar im Frühsommer nach Berlin eingeladen, um das Gespräch weiter zu vertiefen. Über die Website www.dialog-nachhaltigkeit.de finden Sie viele weitere Informationen.

Und was machen Sie im Alltag, um nachhaltig zu leben?

Ich benutze zum Beispiel so oft wie möglich öffentliche Verkehrsmittel oder achte darauf, dass ich nur langlebige Elektronikprodukte kaufe. Und ich esse nur noch wenig Fleisch. Der Ressourceneinsatz für die Fleischproduktion ist enorm. Europa ist hier nicht beispielhaft für die Welt.

Seltener mit dem Auto zu fahren und weniger Fleisch zu essen, wäre für manchen sicherlich ein großes Opfer.

Und das ist der Punkt. Nachhaltigkeit funktioniert nicht mit versäuertem Gesicht oder über schlechtes Gewissen. Wir müssen Lust auf Nachhaltigkeit haben!

Herr Dr. Hauff, vielen Dank für das Gespräch.

Autor:
Julian Kirchherr ist 19 Jahre und Student
erschienen auf: Menschen | 2010 | März | Nachhaltigkeit (Nr. 78), Schekker – Das Jugendmagazin der Bundesregierung
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