„Kinderbildungsgesetz (KiBiz) verbessert Personalsituation“

FDP Werl kritisiert polemische Anfrage des SPD-Abgeordneten Römer

WERL, DÜSSELDORF, 26.06.09. Zu den Auswirkungen des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) vor Ort nehmen nachfolgend Michael Dörrer und Julian Kirchherr für die FDP Stellung:

Foto Michael großFoto Julian„ Das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) verbessert die Kinderbetreuung. Fakt ist, dass es in NRW im kommenden Kindergartenjahr deutlich über 60.000 U3-Betreuungsplätze geben wird. Bei Regierungsübernahme im Jahr 2005 waren es lediglich 11.800 Plätze. Alles in allem werden im Jahr 2009 rund 1,2 Mrd. Euro für die Kinderbetreuung ausgegeben. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 waren es noch 819 Mio. Euro.“ Seit Inkrafttreten des Kinderbildungsgesetzes habe sich auch die Betreuungssituation deutlich verbessert, so Dörrer und Kirchherr. „Die neuen Regelungen gehen weit über die alten Regelungen der rot-grünen Landesregierung hinaus.“

„Familienpolitik hat unter der rot-grünen Landesregierung ein Stiefmütterchendasein geführt und ist sträflich vernachlässig worden. Erst die schwarz-gelbe Koalition hat hier endlich gegengesteuert,“ so die FDP-Politiker weiter. „Diese Tatsache blendet SPD-Politiker Römer in seiner polemischen Anfrage völlig aus.

Die Landesregierung wird innerhalb von vier Wochen die Anfrage des Abgeordneten Römers beantworten. Für weitere Fragen zum Kinderbildungsgesetz steht interessierten Werler Bürgerinnen und Bürgern im August außerdem Christian Lindner, der Generalsekretär der FDP-NRW, zur Verfügung, der Kindertageseinrichtungen in der Hellwegstadt besuchen wird.

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10 Responses to „Kinderbildungsgesetz (KiBiz) verbessert Personalsituation“

  1. Andreas Zorn sagt:

    Die Überschrift allein ist bereits eine Lüge! KiBiz verschlechtert die Personalsituation im U3-Bereich und bei der Leitungsfreistellung. Wurden nach GTK kleine Altersgemischte Gruppen mit 15 Kindern von 6 Monaten bis 6 Jahren personell mit 3 Kräften besetzt,
    so gibt es heute 2 Fachkräfte für 20 Kinder in der Gruppenform I (2-Schuleintritt) und ebenfalls 2 Fachkräfte für 10 Kinder (1+2-Jährige). Bei insgesamt 30 Kindern von 0;6 bis 6 Jahre betrug der Personalschlüssel 6, nach Kibiz gibt es 4, bei voller 45 Std.-Auslastung nur 5 Kräfte! Das ist U3-Betreuung minderer Qualität zu Lasten der Kinder und der Erzieherinnen. Trotz gehobenen Ansprüche der Landesregierung mit Blick auf die Familienzentren wurden durch KiBiz Leitungsstunden massiv reduziert. Offenbar fehlt hier jegliches Gefühl dafür wieviel Mehrarbeit die Öffnung in den Sozialraum bedeutet.

  2. Sehr geehrter Herr Zorn,

    vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) schreibt keinen Betreuungsschlüssel vor, allerdings bietet es in § 19 eine Orientierung, die deutlich über die Regelungen des alten GTK hinausgeht. So liegen der finanziellen Ausstattung der Kinderbetreuung, die auf Grundlage von Kindpauschalen errechnet wird, drei Gruppentypen zugrunde:

    Gruppe I: 2-6 Jährige (max. vier Zweijährige) – 20 Kinder / 2 Fachkräfte
    Gruppe II: 0-3 Jährige – 10 Kinder / 2 Fachkräfte
    Gruppe III: 3-6 Jährige – 25 Kinder, bzw. bei einer Öffnungszeit von 45 Stunden – 20 Kinder / 1 Fachkraft + 1 Ergänzungskraft

    Zum Vergleich: Das Netzwerk Kinderbetreuung der Europäischen Kommission schlägt als Betreuungsrelation vor, eine Fachkraft zu:
    – 15 drei- bis fünfjährigen Kindern
    – oder zu 8 zwei- bis dreijährigen Kindern
    – oder zu 6 ein- bis zweijährigen Kindern
    – oder zu 4 unter einem Jahr.

    Für Kinder mit Behinderungen steht eine zusätzliche Pauschale in Höhe von 14.788,76 Euro zur Verfügung, zusätzlich zur therapeutischen Förderung nach dem Sozialgesetzbuch XII. Kinder in der Sprachförderung werden mit 340 Euro zusätzlich gefördert.

    Alles in allem gibt das Land NRW im Jahr 2009 rund 1,2 Mrd. Euro für die Kinderbetreuung aus; zum Vergleich: Im Jahr 2007 waren es noch 819 Mio. Euro.

    Für weitere Fragen stehe ich jederzeit zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Julian Kirchherr

  3. Andreas Zorn sagt:

    Sehr geehrter Herr Kirchherr,
    vielen Dank für Ihre Antwort der ich leider kein Eingehen auf meine Kritikpunkte entnehmen kann. Ich lade Sie gerne zwecks Hospitation für eine Woche oder länger in eine unserer Einrichtungen ein. Vielleicht können Sie dann die Kritik aus der Praxis besser verstehen.
    Mit freundlichen Grüssen
    Andreas Zorn

  4. Sehr geehrter Herr Zorn,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich bedaure, dass Sie meine Antwort als nicht ausreichend empfinden und mache Ihnen folgenden Vorschlag: Im August besucht der Generalsekretär der FDP-NRW – Christian Lindner – gleich 2x unsere Hellwegstadt. Beim Besuch gegen Ende August wird Herr Lidner sich in einem Gesprächskreis speziell mit den Auswirkungen von KiBiz in Werl befassen. Sie sind herzlich zur Teilnahme eingeladen. Weitere Infos hierzu stelle ich in den nächsten Wochen auf dieser Website zur Verfügung. Herr Lindner hat das Gesetz selbst mitausgearbeitet und wird daher präziser auf Ihre Kritkpunkte eingehen können.

    Ihr Angebot auf Hospitation in einer entsprechenden Einrichtung nehme ich gerne an, um mir ein angemessenes Bild von der Lage vor Ort machen zu können. Bitte kontaktieren Sie mich für konkrete Absprachen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Julian Kirchherr

  5. Sehr geehrter Herr Zorn,

    schade, dass Sie sich nicht mehr gemeldet haben. Ich hätte mir gerne eine Ihrer Einrichtungen angeschaut.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Julian Kirchherr

  6. Andreas Zorn sagt:

    Sehr geehrter Herr Kirchherr,

    urlaubsbedingt habe ich mich nicht mehr melden können. Es ging ja darum., daß Sie hospitieren möchten. Habe hierzu im Kollegium nachgefragt und könnte Ihnen eine Hospitation von einer Woche in unserer Forscheretage anbieten.
    Die Forscheretage besuchen dreißig Kinder von einem Jahr bis zum Schuleintritt. (U3 z.Z. 16 Kinder) Unser DRK Familienzentrum NRW finden Sie in Nettetal-Lobberich, Sassenfelder Kirchweg 8, 41334 Nettetal.( http://www.familienzentrum-nettetal.de )
    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Zorn

  7. Michaela Bosbach sagt:

    Sehr geehrter Herr Kirchherr,

    ich kann den Unmut des Herrn Zorn aus bei mir aktuellem Anlass sehr gut verstehen! Waren Sie denn hospitieren? Mich würde vorallem das Ergenis interessieren! Wahrscheinlich alles super, kein Handlungsbedarf!!!
    Die Erzieher haben alles gut hinbekommen! Die Frage ist, wie definiert man gut? Ich als Mutter von zwei Kindern, die beide in eine katholische Kinddertagesstätte gehen, muss feststellen, das 2 Erzieher pro Gruppe in keinem Fall ausreichen, erst recht nicht, wenn sich U3 Kinder mit in der Gruppe befinden! Haben sie mal daran gedacht, dass ein Erzieher oft in der Gruppe fehlt. Sei es durch Urlaub, Krankheit, Schwangerschaft oder Fortbildung.
    Was ist, wenn es wie bei uns in jeder Gruppe gleichzeitig eintrifft? Bei einem dritten Erzieher, wäre das Auffangen der Arbeit besser gewesen. So sind die Kinder nicht optimal betreut, und ein altersgerechtes Betreuen der einzelnen Kinder ist schon gar nicht mehr möglich. Leider kam es bei meiner Tochter mngels Personal zu einem Unfall, der nicht passieren durfte. Zum glück ist ihr nicht viel passiert. Aber muss erst immer etwas schlimmes passieren???

    Ich habe mich mal zurück erinnert. Ich bin jetzt 36 Jahre und als ich in einen katholischen Kindergarten gegangen bin, gab es auch schon zwei Betreuer auf 21 Kinder.

    Was hat sich also unter KiBiz verbessert, personell gesehen???

    Mit freundlichen Grüßen
    Michaela Bosbach

  8. Liebe Frau Bosbach,

    vielen Dank für Ihre Nachricht. Die Möglichkeit, bei Herrn Zorn zu hospitieren, hat sich leider noch nicht ergeben, weil ich derzeit in Brüssel arbeite.

    Bevor ich auf Ihre Nachricht antworten kann, habe ich noch eine Verständnisfrage:

    1) Wie groß ist jeweils eine Gruppe in Ihrer Kindertagesstätte, die von 2 Erziehern betreut wird? 21 Kinder?

    Viele Grüße
    Julian Kirchherr

  9. Michaela Bosbach sagt:

    Die Gruppe bestand aus 21 Kindern und zwei Erziehern, allerdings schon, als ich in den Kiga gegangen bin.
    Was hat sich also an der Anzahl des Personals verbessert?

  10. St. Kusenberg sagt:

    Sehr geehrter Herr Kirchherr,

    Die Bedürfnisse der heutigen Kinder haben sich verlagert und verlangen mehr -Aufmerksamkeit- des Betreuungspersonals. Die frühe Sozialisierung von Kindern wird in der Zukunft ihre Auswirkungen zeigen und ein Umdenken in der Politik erfordern. Familien und auch Erzieher/Innen sind kaum mehr in der Lage die Konsequenzen der heutigen Politik in Bezug auf die Be-treu-ung von Kindern aufzufangen und gegen den Werteverfall anzukämpfen.
    Die Ich- Entwicklung eines jeden Kindes steht an erster Stelle der Entwicklung und benötigt die volle Aufmerksamkeit der Erwachsenen. Wie soll diese Arbeit bei einem Schlüssel von 10-12 Kindern im Alter von 3-6 Jahren aussehen? Rechnen Sie sich einmal die Minuten für jedes Kind mit dem Erwachsenen an einem Vormittag aus. Diese soll qualitativ genutzt werden. Da kommt der Ein oder Andere in seiner Situation oft zu kurz.
    20 Kinder an einem Mittagstisch im Gruppenraum, betreuut oder besser gesagt abgefertigt von einer Person, weil das Personal aufgrund von zu wenig Stunden, vormittags eingesetzt werden muss. Hier kann von guter Tischkultur trotz Vorbildfunktion keine Rede mehr sein.

    Aufgrund von Krankheit kann ich zur Zeit meine eigene Gruppe nicht besuchen.
    Wie ich von meinen Kollegen/Kolleginnen weiß, ist die personelle Situation momentan mehr schlecht als recht. (Krankheitsfälle, die sich durch Mehrbelastung jedes Einzelnen ergeben, häufen sich!)
    Ersatz für meine Gruppe von 25 Kindern im Alter von 3-6 Jährigen wird nur stundenweise aus einer anderen Gruppe, in der dadurch selbst Mangel an Personal stattfindet, geleistet.
    Es stehen weder Springerkräfte des Trägers noch Ersatzkräfte in der eigenen Gruppe zur Verfügung. Ständig hat man das Gefühl, dass Inkulusionskräfte für Gruppenbetreuungen missbraucht werden und ihre eigentliche Arbeit am Kind erschwert wird.

    Von Bildung der Kinder kann bei diesen Zuständen keine Rede mehr sein.

    Ich wünsche und hoffe, dass zur richtigen Zeit und an den richtigen Orten Besuche stattfinden, um die Wirklichkeit der momentanen Situation in den meisten Tageseinrichtungen abzubilden und ein neues Konzept erforderlich machen.
    Den Kindern wird in der heutigen Zeit wenig gerecht und dies zeigt sich an Schulen.
    Motto: Ersteinmal komme -Ich- und dann die Anderen.
    (eindeutiger Misstand der Ich-Entwicklung, um eine Sozialisation im zweiten Schritt zu erreichen. Oder auch das Haus wird gebaut, bevor der Keller fertig ist (die Folgen sind klar).

    Mit freundlichen Grüßen
    St. Kusenbrg

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