FDP: „Externe Beratung auf dem Rücken der Werler Schüler“

16. September 2010

Zur Werler Schulstrukturdebatte meldet sich Julian Kirchherr, stellv. Fraktionsvorsitzender und schulpolitischer Sprecher der FDP-Ratsfraktion, zu Wort:

Das hat die Werler SPD schön hinbekommen: Für 9520 Euro wird die Stadt Werl nun auf Vorschlag der Sozialdemokraten in Sachen Schulpolitik beraten. Gegenfinanziert wird die Beratung durch Minderausgaben bei der Schülerbeförderung. Das geht aus einer Mitteilung der Verwaltung hervor, die auf der Tagesordnung der nächsten Ratssitzung steht.

Die FDP war von Anfang an gegen diese Beratung. Die schulpolitische Debatte ist eine urtümlich politische Debatte, die nicht an vermeintliche Experten delegiert werden darf. Eine wissenschaftliche und objektive Lösung gibt es in dieser Frage ohnehin nicht. Vielmehr ist jedem Mitglied im Schulausschuss bekannt, dass der nun angeheuerte Berater eine starke Präferenz für Gesamtschulen hat; das Ergebnis der Beratung stand unsinnigerweise also schon vor ihrem Beginn fest.

Besonders schlimm: Wegen der kostspieligen Beratung müssen die Werler Schüler nun bei ihren Tickets im öffentlichen Nahverkehr oben drauf zahlen. So sieht keine soziale Politik aus! Würden SPD und CDU endlich den Schneid besitzen, sich eine plausible Meinung zur Werler Schulstrukturfrage zu bilden, wäre die Beratung unnötig gewesen. Beide Parteien verstecken sich jetzt hinter dem vermeintlichen Experten und tragen ihre Unentschlossenheit auf dem Rücken der Werler Schüler aus.

Wir Liberalen fordern seit nunmehr zwei Jahren, dass die Werler Schullandschaft endlich nach den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder und Eltern reformiert wird. Konkret heißt das: Schulen mit großem Zulauf und Zuspruch – z. B. das Marien-Gymnasium oder die Overbergschule – bleiben erhalten. Schulen mit wenig Zulauf und Zuspruch – konkret: die Petri-Hauptschule – bedürfen Veränderungen. Mit Blick auf die hohe Rate der Werler Schüler, die Gesamtschulen in Nachbarstädten besuchen, ergibt die Umwandlung der Petri-Hauptschule in eine Gesamtschule von der fünften bis zehnten Klasse  gegenwärtig den meisten Sinn.“

Der Leserbrief im Anzeiger: Nicht delegieren!


Debatte: Die Zukunft der Werler Schullandschaft

11. März 2010

Die Debatte um die Zukunft der Werler Schullandschaft ist angesichts der neuen Zahlen der Schulstatistik voll entbrannt. Um den Überblick zu behalten, habe ich für Sie nachfolgend die wichtigsten Beiträge zusammen gestellt:

Die Zukunft der Werler Schullandschaft

Viele Möglichkeiten – Kirchherr warnt vor “formal-juristischer” Debatte (11. März)
Irritationen um eine Schule, die zum Auslaufmodell zu werden droht (11. März)
JuSos: Gesamtschule vertretbare Notlösung (11. März)
Ziel der SPD klar: Schüler möglichst lange gemeinsam lernen lassen – Fraktionschef gibt Erklärung ab (10. März)
Debatte nimmt an Fahrt auf – SPD bezichtigt Kirchherr der Falschaussage, Fischer wirft Broschk “Schläfrigkeit” vor (10. März)
Gesamtschule: Linke-Chef Fischer greift SPD an (9. März)

CDU öffnet sich der Diskussion – Gesamtschule nicht auszuschließen (9. März)
Lernen Petri-Hauptschüler bald an der Overbergschule? – Verwaltung geht davon aus, dass Schule am Langenwiedenweg ausläuft (9. März)
Schulform mit “großer Anziehungskraft” – FDP fordert weiterhin Gesamtschule in Werl (8. März 2010)
Zehn Anmeldungen: Alarm an der Petri-Hauptschule (6. März 2010)


Die Werler Bildungspolitik und die SPD

9. Januar 2010

Vier Bemerkungen und Richtigstellungen zu den bildungspolitischen Eskapaden der SPD:

1. Die SPD schlägt die Zusammenlegung einer der beiden Werler Hauptschulen mit der städtischen Realschule zu einer sog. ‚Verbundschule‘ vor. Wer aber eine Verbundschule fordert, solle das Kind beim Namen nennen und klar formulieren, dass dies die Zusammenlegung der städtischen Realschule mit der Petri-Hauptschule bedeuten würde. Denn die Zusammenlegung der Overbergschule mit der städtischen Realschule kann niemand ernsthaft wollen. Erst kürzlich erhielt diese Schule den Innovationspreis der Stadt Werl und zudem das Gütesiegel „Individuelle Förderung“ des Schulministeriums NRW. Die Anmeldezahlen an der Overbergschule sind in Relation betrachtet stabil und was läuft, das läuft und sollte nicht verändert werden. Vielmehr ist der Dreh- und Angelpunkt der bildungspolitischen Diskussion in Werl die Zukunft der Petri-Hauptschule, die im vergangenen Jahr nur katastrophale 26 Anmeldungen verzeichnete.

2.  Die SPD wünscht sich längeres gemeinsames Lernen und will dies mit einer Verbundschule teilweise realisieren, zumal in einer solchen Schulform bis zur sechsten Klasse gemeinsam unterrichtet werden solle. Das aber gibt das NRW-Schulgesetz gemäß §83 Abs. 2 überhaupt nicht her. Eine Verbundschule bedeutet nur die organisatorische Zusammenlegung einer Haupt- und Realschule. Der Unterricht darf nur teilweise gemeinsam abgehalten werden, ab der siebten Klasse schreibt das Gesetz ausdrücklich vor, dass der getrennte Unterricht „deutlich überwiegen“ müsse. Regelfall in der Verbundschule ist der getrennte Unterricht.

3. Wer also konsequent längeres gemeinsames Lernen in Werl anbieten will, muss sich für eine Gesamtschule von der fünften bis zehnten Klasse einsetzen. Das macht Sinn, denn eine Gesamtschule würde auch das Problem der Auspendler lösen. Rund 33 Viertklässler sind im vergangenen Jahr nicht auf eine weiterführende Schule in Werl, sondern eine Gesamtschule in der Umgebung gewechselt. Das sind mehr als die Petri-Hauptschule überhaupt an Anmeldungen verzeichnet hat und diese Tendenz hat sich der Schulstatistik zufolge in den vergangen Jahren massiv verstärkt. Die Eltern dieser Schüler wollen keine Haupt- und Realschule unter einem Dach, sondern das alternative Schulkonzept einer Gesamtschule und schicken ihre Kinder deshalb in die umliegenden Orte. Eine Gesamtschule in Werl würde Auspendler auffangen und somit Schülerzahlen in Werl ein Stück weit stabilisieren. Zudem gehen wir nach vielen Gesprächen mit Eltern vor Ort davon aus, dass nur wenige Eltern, die eigentlich die Gesamtschule als beste Schulform für ihre Kinder erachten, tatsächlich das Pendeln ihrer Kinder in die Nachbarstädte in Kauf nehmen. Eine Gesamtschule hätte also auch angesichts des demographischen Wandels Zulauf zu erwarten und würde den Erhalt der Petri-Schule bedeuten.

4.  Zur grundsätzlichen Position der FDP: Die FDP steht für eine vielfältige Bildungslandschaft, die den Wünschen und Bedürfnissen der Eltern und Kinder vor Ort entspricht und ist deshalb – mit Blick auf das Auspendler-Problem – für die Umwandlung der Petri-Hauptschule in eine Gesamtschule von der fünften bis zur zehnten Klasse. Jedes Kind braucht eine individuelle Förderung, die womöglich nicht immer in einer traditionellen Schulform erbracht werden kann. Funktionierende traditionelle Schulformen müssen erhalten bleiben.

Der Soester Anzeiger hat den Leserbrief ungekürzt abgedruckt: Das Kind beim Namen nennen


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