Der Bewerbungsflüsterer | SPIESSER.de

21. Februar 2012

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit „Deutschland bewirbt sich“.

Julian ist 22 Jahre alt und Deutschlands jüngster Karriere-Berater. SPIESSER erklärt er, wieso er Altersgenossen bei den Bewerbungsunterlagen hilft und welches Bewerbungsgespräch er total vermasselt hat.

Wie bist du auf die Idee gekommen Altersgenossen bei ihrer Karriere zu helfen?

Im Herbst habe ich ein Master-Studium an der London School of Economics aufgenommen. Ein Jahr schlägt mit 19.260 britischen Pfund (22.528 Euro) zu Buche. Das Geld muss ich jetzt irgendwie eintreiben. Und meine Stipendien bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und beim Deutschen Akademischen Austauschdienst decken leider nicht alle Kosten.

Wie sollte die Schulzeit genutzt werden, um uns auf Bewerbungen vorzubereiten?

Klingt hart, ist aber so: Während der Schulzeit werden schon entscheidende Weichen für das spätere Berufsleben gestellt. Und wer sich nicht reinhängt, kann sich schon in jungen Jahren viel verbauen. Leider kommunizieren das viele Lehrer nicht klar genug. Denn sie sind meistens von der Universität direkt zurück an die Schule gewechselt und haben z. B. nie die knallharten Auswahlverfahren von Unternehmen durchlaufen. Schüler profitieren enorm, wenn Personal- oder Karriereberater in die Schulen kommen und über Anforderungen an Absolventen aus erster Hand berichten.

Die Bewerbungsexperten DURABLE und PAGNA initiierten die bundesweite Aktion „Deutschland bewirbt sich“. Die Website www.bewerbertage.com informiert euch ausführlich über Fragestellungen zu Bewerbung, Stellenanzeigen, Bewerbungsmappe, Anschreiben, Ausbildung und Vorstellungsgespräch.

Wie finde ich meinen Traumjob?

Ob ihr in eurem Job glücklich werdet, hängt von zwei Faktoren ab: Euren Fähigkeiten und euren Interessen. Um ein besseres Bild von euren Fähigkeiten zu bekommen, können wissenschaftliche Eignungstests wie Borakel einen guten ersten Eindruck vermitteln. Aber eure Entscheidungen können sie euch nicht abnehmen. Da hilft nur viel auszuprobieren. …mehr

Was sind die häufigsten Fehler bei der Jobsuche?

Der größte Fehler vieler unserer Kunden: Sie haben sich zwar ein Ziel gesetzt, aber sich keine Gedanken über den Weg dorthin gemacht. Einer unserer Klienten hatte sich zum Beispiel in den Kopf gesetzt, dass er ein Stipendium bekommen wollte. Ein guter Start, aber er kannte nicht einmal die Studienstiftung des Deutschen Volkes, das größte, älteste und renommierteste deutsche Begabtenförderungswerk.

Klar ist: Für ein Stipendium, einen Studiengang oder ein Praktikum kann ich mich nur bewerben, wenn ich einen echten Überblick zu allen Möglichkeiten habe. Gründliche Recherche ist zentral. Internet, Freunde, Familie oder auch eine gute Karriereberatung sind Ressourcen, die unbedingt genutzt werden sollten.

Wie wichtig sind Praktika für den Traumjob?

Praktika sind überlebenswichtig. Jedes Unternehmen erwartet heute, dass ein Absolvent sich vor seinem ersten Job auch in der Arbeitswelt und außerhalb des Hörsaals behaupten konnte. Eine Faustregel ist, dass gute Praktika bei Studiengängen ohne konkretes Berufsbild oder mit vielen Absolventen ein wichtiger Differenzierungsfaktor sind. Aber auch den auf dem Arbeitsmarkt ohnehin begehrten Naturwissenschaftlern schadet ein Ausflug in die Praxis nicht. Außerdem: Praktika sind eine großartige Chance, sich unverbindlich auszuprobieren, unterschiedliche Branchen kennenzulernen und die eigenen Interessen und Fähigkeiten kritisch zu hinterfragen.

Was schreib ich alles in meinen Lebenslauf?

Ein guter Lebenslauf ist genau auf die Stelle zugeschnitten, auf die ihr euch bewerbt und nie länger als zwei Seiten. Zu jeder Station in eurem Lebenslauf solltet ihr kurz schreiben, was ihr dort gemacht habt, was eure größten Erfolge waren und wie eure Erfahrungen dort bei eurer Arbeit im angepeilten Job helfen würden. Eure Grundschulzeit gehört wohl eher nicht dazu: Lieber weglassen. Maßgeschneidert und auf den Punkt ist das, was jeder Arbeitgeber von euch erwartet. …mehr

Wie muss eine Bewerbungsmappe aussehen?

Die Bewerbungsmappe ist die erste Arbeitsprobe, die ihr eurem potentiellen neuen Boss liefert. Deshalb ist Vorsicht geboten. Keine Kaffeeflecken, keine Eselsohren und nicht zu flippig. Das kann schnell ins Auge gehen. Dezente Farbtöne kommen meistens besser an. Rein in die Mappe müssen das Anschreiben, der Lebenslauf und die Kopien der wichtigsten Abschluss- und Arbeitszeugnisse. Auf ein Deckblatt kann im Regelfall verzichtet werden. …mehr

Was muss ich alles beim Bewerbungsgespräch beachten?

Die meisten Pluspunkte könnt ihr beim Bewerbungsgespräch sammeln, wenn ihr zeigt, dass ihr euch wirklich mit dem Unternehmen und der Stelle auseinander gesetzt habt. Erklärt ganz genau, was euch an dem Job fasziniert und was ihr dort lernen wollt und einbringen könnt. Nur das zeigt, dass ihr motiviert seid und für die Aufgabe brennt.

Mein bestes Beispiel zu einem echt gelungenen Bewerbungsgespräch: Als ich bei der UNO vorgesprochen habe, musste ich mich in der letzten Runde gegen einen Doktoranden aus Oxford durchsetzen. Ich dachte, ich hätte keine Chance. Aber am Ende habe ich das Praktikum bekommen und nicht der Doktorand. Warum? Meine Chefin meinte, bei mir habe sie das Gefühl gehabt, dass ich wirklich motiviert sei und mich genau über die ausgeschriebene Stelle informiert habe. Das fand sie überzeugend. …mehr

Was willst du mal werden?

Ich habe nicht einen konkreten Job vor Augen, sondern eine Reihe von Jobmerkmalen: Meine Arbeit soll abwechslungsreich, international und fordernd sein und mir große Handlungsspielräume bieten um eigene Ideen umzusetzen. Diese Merkmale sehe ich zum Beispiel in Unternehmensberatungen, internationalen Organisationen, aber auch in der Wissenschaft erfüllt.

Wie sieht dein Fahrplan zum Traumjob aus?

Nach meinem Master-Studium würde ich gerne zwei Jahre als Unternehmensberater arbeiten und anschließend promovieren. Was ich dann machen werde, verrate ich jetzt noch nicht.

Was war dein größter Fehler bei einer Bewerbung?

Mein größter Style-Reinfall: Bei einem Recruiting-Workshop einer großen Unternehmensberatung war als Dresscode ‚smart casual‘ (gepflegte Freizeitkleidung) sowie ‚Businesskleidung‘ ausgegeben. Zur Einführung tauchte ich in gepflegter Freizeitkleidung auf, alle anderen Teilnehmer in Anzügen. War etwas peinlich. Immerhin hatte sich die Human-Resource-Abteilung deshalb sofort meinen Namen gemerkt.

 Julian berät bei der Karriereberatung Courageous Concepts Studenten. Dieser Artikel ist beim SPIESSER erschienen.


An einer Eliteuniversität in England – Die Kaderschmiede (Teil 2)

11. Februar 2012

Die London School of Economics zählt zu den selektivsten Universitäten der Welt. Auf einen Studienplatz kommen oft mehr als zwanzig Bewerber. Schekker-Autor Julian studiert dort seit zwei Monaten Volkswirtschaftslehre und erzählt heute über ein vertracktes Zulassungsverfahren, Bill Gates und Kaffeebecher aus Styropor. 

Ein Studienplatz, zwanzig Bewerber. An der London School of Economic and Political Science, kurz LSE, angenommen zu werden, erfordert eine gute Vorbereitung und außerdem Glück. Die erste Hürde: Deadlines beachten. Die Universität organisiert ihre Zulassung mit dem sogenannten rolling-admissions-Verfahren. Das heißt: Sobald eine Bewerbung eingegangen ist, wird sie von einem Auswahlgremium begutachtet. Innerhalb von vier Wochen gibt es im Regelfall eine Antwort. Das heißt aber auch: Wer sich erst kurz vor Studienbeginn bewirbt, kann auch als exzellenter Kandidat Pech haben, weil in den beliebten Studiengängen dann bereits kein Platz mehr frei ist.

So früh wie möglich bewerben

Der Trick ist also, sich so früh wie möglich zu bewerben. Das Bewerbungsverfahren öffnet Mitte Oktober für den Studienbeginn im kommenden Herbst. Eingereicht werden müssen neben allen Noten auch ein mehrseitiges Motivationsschreiben sowie zwei Referenzen von Professoren.  Diesen wird neben den Noten bei der Zulassung besonderes Gewicht beigemessen. Nicht nur der Inhalt ist wichtig, sondern auch das Ansehen der jeweiligen Universität und des Professors, der das Gutachten schreibt.


Hier lässt es sich lernen: Die Bibliothek der LSE, erbaut von Norman Foster. Foto: Mulloom2 / www.wikipedia.org

Bei den Referenzen hatte ich großes Glück: Während meines Bachelor-Studiums in Münster hatte ich als studentische Hilfskraft gearbeitet. Währenddessen war einer meiner Chefinnen eine Stelle an der Harvard University angeboten worden. Auf dem Harvard-Briefkopf hat sie mir dann auch das Gutachten ausgestellt.

Für mein Master-Studium habe ich mich an drei Universitäten beworben: der John F. Kennedy School of Government der Harvard University, der LSE und der Hertie School of Governance in Berlin. Für Harvard hat es nicht gereicht, aber neben London hätte ich auch in Berlin anfangen können.

Studium mit Praxisbezug

An allen drei Universitäten habe ich mich für MPA-Programme beworben, das steht für Master of Public Administration. Diese Studiengänge verknüpfen volkswirtschaftliche und politikwissenschaftliche Fragestellungen und heben besonders den Praxisbezug hervor. Das MPA-Programm der Harvard University gilt als das beste MPA-Programm der Welt. Sogar der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat es absolviert. In Europa gilt das MPA-Programm der LSE als das beste. Mein Kommilitone Raktim hat sich auch bei beiden Programmen beworben, und ist auch in beiden Programmen angenommen worden.

Raktim kommt aus Indien und hat dort viele Jahre für die Unternehmensberatung Ernst & Young gearbeitet, bevor er sich dazu entschieden hat, wieder zu studieren. Seine Entscheidung für die LSE und gegen Harvard hat er bisher nicht bereut. „Das Programm in Harvard war mir einfach zu teuer. Deshalb bin ich dann an die LSE gekommen.“ Für ihn spielen beiden Universitäten in einer Liga. „Und die Wirtschaftswissenschaften werden in London besonders hervorgehoben.“


Studenten der LSE in der Mittagspause auf den Lincoln’s Inn Fields. Foto: David Iliff / www.wikipedia.org

„Die Atmosphäre hier an der Universität ist großartig. Die LSE ist die internationalste Universität der Welt“, sagt Raktim. Auf ihrer Website wirbt sie damit, dass aktuell Studierende aus über 140 verschiedenen Ländern eingeschrieben sind. Unser MPA-Programm setzt sich auf 43 verschiedenen Nationen zusammen. Meine engsten Freunde kommen aus China, Pakistan und den USA. Auch fast die Hälfte der Dozenten der LSE kommt nicht aus Großbritannien.

„Das ist wirklich einmalig“, findet auch mein Kommilitone Julius. Er hat Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin und an der renommierten Sciences Po in Paris studiert, bevor er sich für das MPA-Programm an der LSE beworben hat. Am ersten Tag war er sich noch nicht ganz sicher, ob er sich hier wohlfühlen würde. „Aber zum Glück hat auf unserer Einführungsveranstaltung niemand einen Anzug getragen“, erzählt Julius und grinst. „Deshalb bin ich bis heute beim T-Shirt geblieben.“  Das mache ich genauso.

Im Gespräch mit Bill Gates oder Mario Monti

Ein T-Shirt tragen wir auch, wenn wir unter der Woche einen der vielen Vorträge an der LSE besuchen.  Einen Dresscode gibt es nicht. Beinahe jeden Tag stellen sich Größen aus Politik und Wirtschaft den Fragen von uns Studenten. Eigentlich kommen viel zu viele, um tatsächlich alle interessanten Vorträge wahrzunehmen. Letzte Woche war der italienische Regierungschef Mario Monti zu Besuch. Den habe ich leider verpasst. In zwei Wochen kommt Bill Gates. Da werde ich aber auf jeden Fall hingehen.

Trotz der vielen prominenten Gäste herrsche keine elitäre Atmosphäre auf dem Campus, betont Julius. „Die piekfeine Ralph-Lauren-Fraktion mit Starbucks-Kaffee in der Hand ist in der Minderheit“, lacht er. Und das stimmt. Die meisten meiner Kommilitonen kaufen ihren Kaffee zum Beispiel in der Wright’s Bar, ein Geheimtipp direkt am Campus. Das gilt sogar für meinen Mitstudenten Faisal, dessen Vater saudi-arabischer Botschafter in Ägypten ist. Die Wright’s Bar wird von einem alten Italiener und seiner Familie betrieben. Und der Kaffee wird dort in einem weißen Styropor-Becher serviert – für sechzig Pence. Günstig und wirklich lecker!

Erschienen in: Schekker – Das Jugendmagazin der Bundesregierung, Reportage | Februar 2012


Der Launch: Courageous Concepts

1. Januar 2012

Liebe Leser,

ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich einen Moment Zeit nehmen würden, um einen Blick auf mein neuestes Projekt zu werfen: Courageous Concepts (www.courageous-concepts.de).

Was ist Courageous Concepts? Courageous Concepts bietet professionelle Karriereberatung von Studierenden für Studierende zu Stipendien-, Praktikums- und Masterplatz-bewerbungen. Wir wollen junge Talente bestmöglich unterstützen und entwickeln. Wir bauen Fähigkeiten auf und entfalten Potentiale durch kreative und individuelle Ansätze in der Karriereberatung. Lernen Sie mehr über unser Unternehmen auf www.cc-karriereberatung.de!

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldungen zu diesem Projekt und wünsche Ihnen alles Gute für 2012!

Ihr
Julian Kirchherr


Streitgespräch zu Afghanistan: Truppenabzug zu früh?

23. Dezember 2011

Für das Jugendportal des Deutschen Bundestages (mitmischen.de) habe ich einen kleinen Kommentar zum Einsatz deutscher Truppen in Afghanistan verfasst:

Der Anfang vom Ende? Bis 2014 sollen die internationalen Truppen aus Afghanistan abziehen. Doch wird das Land dann in der Lage sein, selbst für Frieden zu sorgen oder droht ein Bürgerkrieg? Julian, 22, hält den geplanten Rückzug für verfrüht. Anna, 17, glaubt, Afghanistan kann es dann alleine schaffen – mit Unterstützung aus dem Ausland, aber ohne Kampftruppen. Wie steht ihr dazu? Stimmt ab!

Julian: Fahrlässig!

Diesen Sommer habe ich ein Praktikum in der Zentrale der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Eschborn gemacht. Die GIZ ist die Durchführungsorganisation der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und arbeitet auch an Projekten in Afghanistan. Eines Morgens lasen wir Praktikanten im Intranet, dass einer unserer Mitarbeiter in Kabul umgekommen war – erschossen bei einem Spaziergang. Zwei Wochen später kam ein weiterer Mitarbeiter aus Kabul unvermittelt zurück in unsere Zentrale. Nur saß er jetzt im Rollstuhl.

Fast 3.000 Soldaten und Entwicklungshelfer westlicher Staaten sind seit 2001 in Afghanistan umgekommen. Erst vor Kurzem musste der afghanische Präsident Hamid Karsai eine Reise nach Europa abbrechen, weil Selbstmordattentäter in Kabul und Mazar-e Sharif über 60 Menschen in den Tod gerissen hatten.  Afghanistan ist ein Land im Krieg und Chaos und nichts deutet daraufhin, dass 2014 alles besser sein wird. Ich finde: Ein solcher Abzug wäre grob fahrlässig.

Klar, westliche Truppen sollten nur so lange wie nötig in Afghanistan sein. Aber niemand kann heute prognostizieren, wann das Land wirklich auf eigenen Beinen stehen kann. Noch ist kein klarer Trend Richtung mehr Stabilität und Demokratie erkennbar. Alle kleinen Erfolge, die in den letzten zehn Jahren erzielt worden sind, könnten innerhalb weniger Monate vernichtet werden. Unsere Arbeit dort ist noch nicht erledigt.

Die Terroristen, die die Anschläge vom 11. September 2001 verübt haben, sind in Afghanistan ausgebildet worden.  Das heißt: Wir brauchen Demokratie, Wohlstand und Stabilität in Afghanistan, um Demokratie, Wohlstand und Stabilität in der Welt und in Deutschland zu sichern. Nur in einem demokratischen, wachsenden und stabilen Afghanistan wird es keine Terror-Camps mehr geben.

Ein solches Land zu schaffen kostet Zeit. Deshalb müssen wir uns eingestehen: Afghanistan ist ein Langzeit-Projekt. Es kann heute kein Tag für den Abzug der Truppen festgelegt werden. Wir Deutschen sind in der Welt zu Hause und tragen Verantwortung – und  zwar auch in und für Afghanistan.

Den gesamten Artikel findest Du hier.


Nachhaltige Gewerbegebiete

30. November 2011

Während meiner letzten Ratssitzung am 29. September konnte ich erfolgreich einen Antrag zu nachhaltigen Gewerbegebieten in den Werler Rat einbringen. Erfolgreich, weil alle Parteien das anvisierte Modellvorhaben zu Eco-Industrial-Parks als vielversprechend einstuften und weil das Projekt nun in Werl vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MKULNV) vorgestellt werden soll. Hier unser Antragstext:

Antrag

Der Rat der Stadt Werl beschließt die Teilnahme am Modellverbundprojekt „Nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung“ des Landes NRW und beauftragt den Bürgermeister eine entsprechende Willenserklärung abzugeben (siehe Anlage).

Begründung

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MKULNV) will durch eine nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung den weiteren Flächenverbrauch im Land möglichst vermeiden. Dieses Ziel soll künftig stärker auch bei der Planung neuer Gewerbegebiete verfolgt werden. Die Kommunen sollen in die Lage versetzt werden, den Wettbewerb um attraktive Gewerbeflächen nicht länger zu Lasten noch vorhandener Freiflächen zu bestreiten.

Der Begriff „Nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung“ wurde gewählt, um neben dem Gegenstand des Projektes (Gewerbe) auch die Leitidee (Nachhaltigkeit) und den Prozesscharakter (Entwicklung) zu kennzeichnen. Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie und Soziales – sind in Einklang zu bringen.

Das Bild der nachhaltigen Gewerbeflächenentwicklung bezieht sich auf ein breites Spektrum unterschiedlicher Gewerbegebiete: Sie reichen von minder genutzten oder nicht bebauten Flächen, an die besondere Anforderungen zu stellen sind, über Standorte, die bislang brachlagen oder anders als gewerblich-industriell genutzt wurden, bis hin zu den bereits bebauten und in sich geschlossenen Gewerbe-Altstandorten, die „nachhaltig“ umzubauen sind. Auch ein denkmalgeschütztes Ensemble sowie ein komplexes Gesamtkonzept gehören dazu.

Das Land konnte seit der Gründung des Modellprojektverbundes mit insgesamt acht Kommunen im Frühjahr 2006 weitere Kommunen für die nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung interessieren. Ende 2010 sind insgesamt elf Kommunen dabei. Es sind, angefangen bei der ländlichen Gemeinde am Rande des Ruhrgebiets über die Kleinstadt am peripheren Rand und die kleine Industriestadt im verdichteten Agglomerationsraum bis hin zur Großstadt mit altindustrieller Tradition, so gut wie alle Gemeindetypen im Modellprojektverbund vertreten.

Grundlage für die Arbeit in den Modellprojekten ist eine Willenserklärung der (Ober-) Bürgermeister/-innen (siehe Anlage). Die Erklärung hält eine Auswahl von Kriterien fest, die sich idealtypisch an der Balance von Ökologie, Ökonomie und Sozialem orientieren und deren Einhaltung die Kommunen mit Unterschrift zugestimmt haben. Die Projektteilnehmer streben an, Eingriffe in Natur und Landschaft weitgehend zu vermeiden, den Flächen- und Energieverbrauch sowie Emissionen generell zu minimieren, regenerative Energien zu nutzen und Konzepte zur Vermeidung von Abfällen und für die Ver- und Entsorgung zu entwickeln. Die nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung stellt somit eine innovative Maßnahme zum Umweltschutz und zur nachhaltigen Wirtschaftsförderung dar.

Die Projektkommunen, die sich mit der „Willenserklärung“ der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister verpflichten, die Nachhaltigkeitskriterien zu verfolgen, wurden vom Umweltministerium mit dem „Eco Industrial Park“- Label ausgezeichnet.


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